Warum es von Vorteil ist, einem älteren Hund ein neues Zuhause zu geben.

Viele Besucher wenden sich mit den Worten "Wir wollen einem Welpen ein neues Zuhause geben" an die Mitarbeiter des Tierheims. Das Argument, dass ein Welpe noch unverdorben ist, wiegt sicherlich schwer und ist nicht von der Hand zu weisen. Neben dem Tierschutzgedanken auch älteren Tieren eine Chance zu geben, gibt es einige rationale Argumente, die ganz klar für einen älteren, ausgewachsenen Hund aus dem Tierheim sprechen.

Während bei einem erwachsenen Hund erkennbar ist, welche Charakterzüge bei ihm besonders ausgeprägt sind, erwirbt man bei einem Welpen nicht selten die Katze im Sack. Und mancher Hundebesitzer, der sich einen verschmusten Sofahund gewünscht hat, ist später mit einer bellenden Sportskanone überfordert. Im Tierheim erhalten sie von den Mitarbeitern eine ausführliche Charakterbeschreibung des ausgewachsenen Tierheimhundes. Auch die Macken, die bei einem Welpen häufig noch nicht sichtbar sind, verschweigen wir bei der Beschreibung und Vermittlung eines älteren Tierheimhundes nicht. "Verdorben" sind unsere Hunde sicher nicht. Die Gründe, die zur Abgabe eines Tieres ins Tierheim führen, liegen selten beim Hund. Überwiegend sind es menschliche Schicksalsschläge wie Krankheit, Scheidung u.ä., die eine Abgabe des Tieres zur Folge haben. Ältere Hunde erweisen sich als sehr dankbar wieder ein neues Zuhause gefunden zu haben und fügen sich in den Alltag, den sie aus ihrem Vorleben bereits kennen, problemlos ein.

Ein weiterer Vorteil eines "gebrauchten" Hundes ist sicherlich, dass der Hund schon erzogen ist. Man braucht zu Anfang nicht ständig den Hinterlassenschaften eines Welpen hinterher zu putzen. Kommandos wie "Sitz", "Platz" und "Bleib" bringt sich kein auch noch so intelligenter Welpe selber bei. Also steht man als verantwortungsbewusster Welpenbesitzer bei Wind und Wetter mindestens 1x in der Woche auf dem Hundeplatz, "sozialisiert" seinen Welpen mit Artgenossen und lässt sich das 1x1 der Hundepädagogik beibringen. Spätestens bei 3°C und Nieselregen beneidet dann jeder Welpenbesitzer die Hundebesitzer mit einem "fertigen" Hund.

Die Phase in der der Wonneproppen an der Leine bei jeder menschlichen Begegnung ein "Ach, ist der süüüß ...!" hervorruft, ist nach ca. 3-4 Monaten vorbei. Danach folgt die Pubertätsphase (ja, die gibt es auch beim Hund!!!), in der der Hund seine Grenzen austestet, nicht hören will und nur Unsinn in seinem Hundeschädel ausheckt. Die Pubertät kann zwölf lange, lange Monate dauern.

Ein häufig verwendetes Argument für einen Welpen sind die zunächst vermutlich geringeren Tierarztkosten. Allerdings kommen auch bereits bei jungen Hunden in steigender Zahl chronische und kostenintensive Erkrankungen wie Hüftdysplasien, Allergien und Diabetes vor. Ob ein Hund in jungen Jahren solche Krankheitsbilder entwickelt, ist im Welpenalter häufig nicht erkennbar. In solch einem Fall kommen nicht unerhebliche Kosten ein ganzes Hundeleben lang auf den Besitzer zu. Entscheiden Sie sich jedoch für einen älteren Tierheimhund, können Sie davon ausgehen, dass der Hund tierärztlich untersucht worden ist. Informationen über evtl. Erkrankungen werden selbstverständlich weitergegeben und ein Hund mittleren Lebensalters, der bis dahin keinerlei Anzeichen einer chronischen Erkrankung aufweist, wird diese nur selten in der zweiten Hälfte seines Lebens entwickeln. Zudem birgt die geringere Lebenserwartung eines älteren Hundes den Vorteil der zeitlichen Überschaubarkeit, da unser Leben verschiedenen Lebensabschnitten unterliegt, in die ein Hund mal mehr und mal weniger gut passt.

Hier ein Beispiel:
Eine junge Familie (2 Kinder, Mutter Hausfrau, Vater beruflich viel unterwegs) wünscht sich einen Familienhund. Man entscheidet sich für einen Dackelwelpen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Dackels liegt bei ca. 16 Jahren. Schon zehn Jahre nach Anschaffung brauchen die inzwischen volljährigen Kinder keinen Spielpartner mehr, mit dem sie im Garten herumtoben. Die Mutter überlegt wieder in ihren Beruf einzusteigen, was aber Dackel Waldi, der noch nie lange alleine bleiben musste und konnte, durch anhaltendes Bellen und Zerlegen der Möbel zu verhindern weiß. Wie viel klüger wäre es gewesen, sich einen älteren kleinen Mischling aus dem Tierheim zu holen und nach dessen Tod die Anschaffung eines Hundes neu zu überdenken.

Die verbreitete Faustregel, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht ist nicht richtig. Sie trifft nur auf Hunde mittleren Alters zu. Für einen jungen Hund greift sie zu kurz und für einen alten Hund zu weit. So ist es richtig: Das erste Lebensjahr des Hundes ist mit 14, das zweite mit 7 und dann jedes weitere mit 5 Jahren zu rechnen. Das stimmt mit den tatsächlichen biologischen Gegebenheiten ziemlich genau überein. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede. Je größer der Hund, desto geringer ist die Lebenserwartung. Riesen wie Doggen oder Irische Wolfshunde werden selten zehn Jahre alt. Winzlinge wie Yorkshire Terrier oder Zwergpudel sind gar nicht selten 15 Jahre oder noch älter, und sind trotzdem noch "fit wie ein Turnschuh".

Mein Fazit ist jedenfalls:
Wenn Sie jung sind, die Herausforderung suchen, Ihre Zukunft die nächsten 10 - 15 Jahre klar überschauen und der vierbeinige Familienzuwachs fortan Ihr Lebensmittelpunkt sein soll, ist die Anschaffung eines Welpen sicher die richtige Entscheidung für Sie.

Wenn Sie neben Ihren Pflichten als Hundebesitzer noch andere Betätigungsfelder wie Familie und Job haben und Sie noch nicht genau wissen, wie ihr Leben in 15 Jahren aussehen wird, sollten Sie eher die Anschaffung eines "fertigen", erzogenen Hundes mittleren Lebensalters in Erwägung ziehen. Frei nach dem Motto: Da weiß man, was man hat!!! (sk)



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